„Eure Armut kotzt mich an“ - Kamingespräch zur Arbeitnehmerpastoral mit Dr. Manfred Böhm

Eichstätt Beim 5. Kamingespräch fand der Leiter der Arbeitnehmerpastoral im Erzbistum Bamberg, Dr. Manfred Böhm, deutliche Worte. Während sich die einen provokante Sprüche auf ihr Luxusauto kleben, kämpfen andere mit dem Leben am Existenzminimum und sozialer Heimatlosigkeit. Der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Kolping-Erwachsenen-Bildungswerkes, Andreas Birzer, folgten ein spannendes Impulsreferat und eine anregende Diskussion.
Gespräche zur Arbeitnehmerpastoral vor dem Kamin: Dr. Manfred Böhm (3. von links) im Kreis einiger Gesprächsteilnehmer in der Meisterstube des Kolpinghauses Eichstätt. Bild: Kommer

Papst Franziskus hat mit seiner Kapitalismuskritik in der Enzyklika „Evangelii Gaudium“ durchaus für Furore gesorgt. Wenn der Papst den „Fetischismus des Geldes“ anprangert und gegen die betäubende Kultur des Wohlstands angeht, so Dr. Böhm, will er die Menschen wachrütteln. Die Wertekrise und eine globalisierte Gleichgültigkeit kann die Kirche nicht einfach so hinnehmen. Aus der Sicht des Papstes, die Dr. Böhm referierte, geht es für die Kirche darum, „den Geruch der Schafe“ anzunehmen. Damit ist gemeint, auf die am Rand Stehenden, auf die Armen zuzugehen und dabei nicht nur „caritative Nothilfe“ zu leisten, sondern auch gegen die strukturellen Ursachen der Armut zu kämpfen.

In einem zweiten Teil seiner Ausführungen warf der Leiter der Arbeitnehmerpastoral in der Erzdiözese Bamberg einen Blick in die Arbeitswelt hier bei uns. Existenzsicherungsstress, Leistungsverdichtung, Selbstausbeutung – Phänomene, die vielen Arbeitnehmern schwer zu schaffen machen, gehören zum Alltag in der Arbeit der Betriebsseelsorge. In vielen Gesprächen während der Betriebsbesuche wird nach Auskunft von Dr. Böhm schnell deutlich, dass kirchliche Mitarbeiter mit ihrem pastoralen und spirituellen Angebot höchst willkommen sind. „Wir kommen durch das Fabriktor (nicht die Chefetage), bringen Zeit und Verständnis mit“, so Dr. Böhm, „und unsere Tugend ist die katholische Soziallehre“! Im Sinne von Papst Franziskus hielt Dr. Böhm zum Schluss ein Plädoyer für eine inkarnatorische Spiritualität und Pastoral. Er zitierte den Propheten Jeremia mit den Worten „Dem Schwachen und Armen verhalf er zum Recht. Heißt nicht das, mich wirklich zu erkennen? Spruch des Herrn“.  Die Menschwerdung Gottes als  Motor für solidarisches Handeln macht frei und ist offen für das Leben und die Würde aller Menschen. In der anschließenden Diskussion zeigte sich, welches Charisma Sozialverbände wie Kolping in die gesellschaftlichen Prozesse und in die Gestaltung der Arbeitswelt einbringen können. Der stellvertretende Diözesanvorsitzende Bernhard Bräunlein bedankte sich bei Dr. Manfred Böhm für die tiefgehenden Impulse mit einem Geschenkkorb mit fair gehandelten Produkten.

13.03.2015