Kolpingsfamilie Allersberg feierte Stiftungsfest

Das 133. Stiftungsfest hat die Kolpingfamilie am vergangenen Wochenende gefeiert. Dabei referierte Subregens Christoph Wittmann vom Eichstätter Priesterseminar über das Studium zum Priester und das 450-jährige Jubiläum von „Collegium Willibaldinum“.

Zu Beginn des Sonntagvormittags traf man sich zu dem Jubiläum der Kolpingfamilie zum gemeinsamen Gottesdienst. Zahlreich waren die Mitglieder und auch Freunde der Allersberger Kolpingfamilie vertreten. Zum einen wurde der Gründung der Kolpingfamilie, damals noch als Katholischer Gesellenverein im Jahre 1882 gedacht, zum anderen wurde das Messopfer für die verstorbenen und lebenden Mitglieder der Kolpingfamilie und ihrer Präsides gefeiert und für sie der Segen Gottes erfleht. Beim anschließenden Frühschoppen präsentierte Christoph Wittmann einen interessanten Vortrag, der sowohl das 450-jährige Jubiläum des „Collegium Willibaldinum“ als auch die heutige Priesterausbildung in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte. Nur schlecht bis mittelmäßig seien die Priester früher ausgebildet gewesen, sagte der stellvertretende Leiter des Priesterseminars, Christoph Wittmann, weshalb der Papst mit den Bischöfen im Konzil von Trient festlegte, dass die Priester eine ordentliche und gute Ausbildung erfahren sollten. Das Bistum Eichstätt sei fortschrittlich gewesen und habe das Dekret auch gleich umgesetzt. Damit habe man heute im Bistum Eichstätt das älteste Priesterseminar nördlich der Alpen. Älter seien nur Priesterseminare in der Nähe von Pisa und in Rom selbst.

Bischof Martin von Schaumberg habe es gegründet und für die Ausbildung der Priester den Orden der Jesuiten geholt. Sie hätten die Schönheit des katholischen Glaubens mit aller Pracht dargestellt, wovon heute noch die Schutzengelkirche in Eichstätt zeuge. Im Betrieb hätten Studierende und Professoren wie in einer Großfamilie zusammengelebt. Später sei dann auch ergänzend das Schloss Hirschberg als Sommeraufenthalt dazugekauft worden, weil auch die Studenten während der Ferien im Priesterseminar blieben. Während der Zeit des Kulturkampfes seien in Eichstätt Studierende, als Alumnen bezeichnet,  aus ganz Deutschland zusammengekommen. Deshalb sei auch das Knaben-Gymnasium gegründet worden, das 1993 aufgelöst wurde. In der Geschichte des Priesterseminars habe es auch ein ständiges Auf und Ab  gegeben. So seien 1885 106 Studenten unterrichtet worden, 1819 dagegen war es ein einziger. Besonders schwierig sei die Zeit des Nationalsozialismus gewesen, aber am Priesterseminar bildete sich ein gewisser Höhepunkt des Widerstands.

Subregens Wittmann kam dann aber sehr schnell auf die heutige Priesterausbildung zu sprechen, die in drei Säulen stattfinde. Zum einen das geistliche Leben und die menschliche Reifung, aber auch die postarale Befähigung. Im Detail und auch in Beispielen stellte er diese Ausbildung auch vor, um Männer auf die bevorstehende Wirklichkeit vorzubereiten. Die Studenten kämen aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen und aus völlig unterschiedlichen Nationalitäten. Zum Teil gehen sie später auch in ihr Herkunftsland wieder zurück, um dort den Glauben weiter zu verbreiten und zu vermehren. „Wir arbeiten mit Menschen, die den Ruf verspüren, für Gott und die Kirche bzw. die Pfarreien da zu sein und dafür zu arbeiten“, sagte Christoph Wittmann. „Dazu brauchen wir auch das Gebet der Gläubigen“. Die Berufung zum Priesteramt sei keine Auszeichnung, „wir sind nicht schlechter und nicht besser als alle anderen Menschen auch“.

Ergänzt wurde der Vortrag durch einen Film über das Leben, Arbeiten  und Studieren im Priesterseminar mit den  einzelnen Abschnitten, in dem auch angehende Priester zu Wort kamen und ihren Standpunkt schildern, aber auch die für die Ausbildung zuständigen Professoren bis hin zu Bischof Gregor Maria Hanke. Im Priesterseminar werde Ökumene gelebt, sagte Wittmann, weil dort auch Priesteramtskandidaten der östlichen Kirche leben und damit auch ein regelmäßiger Austausch stattfinde. „Das ist ein Thema, das uns alle angeht“, sagte Siegfried Mücke als Vorsitzender der Kolpingfamilie am Ende, „im tatsächlichen Leben und in der Kirche“.  Er überreichte Christoph Wittmann eine Spende für die Arbeit im Priesterseminar.

Bericht von Reinhold Mücke

14.07.2015