Geistlicher Impuls

KOLPING-DIÖZESANKONFERENZ 2018

Liebe Kolpingschwestern und –brüder,

den Vorsitz in einer Kolpingsfamilie zu haben, bedeutet zunächst einmal, in dieses Amt gewählt worden zu sein. Man hat es sich nicht selbst übertragen, sondern man ist von der eigenen Kolpingsfamilie dazu bestimmt worden.

Wer neu in dieses Amt kommt, gehört dann plötzlich zum Kreis der Vorsitzenden und nimmt teil an den Beratungen auf der Diözesankonferenz.

Auch der hl. Matthias hat sich nicht selbst zum Apostel ernannt. Aber er wurde für dieses Amt ausersehen und somit zu einer der Säulen, auf die der Herr seine Kirche gegründet hat.

Das Amt des Vorstands einer Kolpingsfamilie kann auch nicht jedem übertragen werden, sondern nur einer Person, die schon Mitglied im Kolpingwerk ist, die schon eine gewisse Erfahrung hat, die schon vertraut ist mit dem seligen Gesellenvater und seinem Geist.

Schon die Apostel wählten damals nicht irgendwen in ihren Kreis. Bedingung war, dass der Neue die ganze Zeit mit ihnen zusammen war, als Jesus, der Herr, bei ihnen aus- und einging, und dass der Erwählte zusammen mit ihnen Zeuge der Auferstehung Christi war.

Natürlich kann bei uns niemand mehr Adolph Kolping persönlich gekannt haben. Aber sein Werk lebt in der Kirche fort, und gerade wer daran in leitender Position Anteil hat, macht sich sein Anliegen zu Eigen, tritt ein in die Verantwortung eines Verbandes, den es schon vor ihm gab und in dem es nun auch an ihm liegt, Ziel und Zweck des Ganzen in die Tat umzusetzen.

Matthias wurde den elf Aposteln zugerechnet, er kam zu einer schon bestehenden Gruppe dazu, aber nicht als Platzhalter oder leere Nummer, sondern mit allen Rechten und Pflichten. Deswegen wurden ja auch nur zwei Männer ausgewählt, die für das Amt in Frage kamen. Den einen wie den anderen also hielt man für besser geeignet als alle anderen.

Ja, nicht jeder und nicht jede sind bekanntlich auch in der Lage, ein Führungsamt in einer Kolpingsfamilie zu übernehmen. Und nicht die sollen es erhalten, die die Voraussetzungen dazu nicht aufweisen, sondern Leute, die erprobt sind, rechtschaffen und fähig. Das sollen wir im Auge behalten, wenn wir ein Amt annehmen, aber auch, wenn einmal jemand gesucht wird, der die Nachfolge im Vorsitz antreten soll oder wenn wir jemanden für eine andere wichtige Aufgabe in unserem Verband wählen.

Adolph Kolping sagt es einmal sehr deutlich: „Mit der Zusammensetzung des Vorstandes gehe man vorsichtig zu Werke und vergrößere denselben nicht ohne dringendes Bedürfnis. Besonders ist zu empfehlen, räsonierenden Schwätzern, die alles besser wissen wollen, aber bei den geringsten Mühen zurückbleiben, die Türe nicht zu weit zu öffnen“ (KS 2, S. 180).

Liebe Vorsitzende, damals bei den Aposteln gab es, was bei uns nicht immer der Fall ist, zwei Kandidaten für ein Amt. Sicher kann jemand dann enttäuscht sein, wenn er nicht gewählt wird oder wenn er gar nicht erst in die engere Wahl kommt. Und doch hängt der Wert eines Menschen nicht vom Amt ab, das er bekleidet.

Joseph, genannt Barsabbas, der unterlegene Kandidat, hatte wohl nicht umsonst den Beinamen  Justus, der Gerechte. Matthias war sicher ebenso gerecht. Wir verehren ihn ja als Heiligen.

Und deshalb meine ich, wir alle müssen uns bewusst sein, dass andere genauso rechtschaffen und gut sind wie wir und vielleicht noch viel besser. Wer weiß, warum und wozu daher wir und nicht sie da stehen, wo wir jetzt sind. Aber vielleicht ist gerade hier und heute irgendeine Fähigkeit, irgendein Talent von Nöten, das nur wir so haben, in dem gerade wir Meister sind, und das wir deshalb auch einsetzen und anwenden müssen.

„Gott stellt jeden dahin, wo er ihn braucht“ (KS 4, S. 49), sagt Adolph Kolping, und: „Glücklich ... wird der Mensch, wenn er, zufrieden mit der Stellung, die ihm Gott gegeben, gerade mit Ehren und Treuen den Platz ausfüllt, den die Vorsehung ihm zugewiesen, wenn er sich eifrig bestrebt, tüchtig das zu sein und zu werden, was er sein und werden soll“ (KS 3, S. 66).

Liebe Kolpingschwestern- und brüder, wem Verantwortung übertragen ist, der muss diese Verantwortung auch gerecht werden, der hat auch eine Vorbildfunktion und muss sich entsprechend bemühen, nach Vollkommenheit zu streben, denn:

„Nach christlicher Vollkommenheit zu streben, ist die Aufgabe unseres ganzes Lebens“ (KS 9, S. 333).

Ein Amt zu haben, ist deshalb nicht genug. Ein Amt macht nicht von selbst gut und heilig. Dafür ist uns der Apostel Judas Iskariot ein warnendes Beispiel. Und deshalb ist sowohl das Amt des Matthias als auch unser Amt im Werk Adolph Kolpings mit einer Auflage verbunden. Ihm und uns nämlich gilt das Wort des Herrn: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“.

 Matthias hat sich aufgemacht, er an dem Platz, an den er gesellt war, mit seinen Eigenschaften, Fähigkeiten und Talenten Frucht gebracht und Zeugnis gegeben für Christus.

Jetzt liegt es an uns, uns aufzumachen, uns upgraden zu lassen und Frucht zu bringen.

Bitten wir ihn, den Apostel des heutigen Tages und unseren seligen Gesellenvater um ihre Fürsprache, dass es an dem Platz, an den wir gesellt sind, auch uns ein wenig gelingt. Amen.

Diözesanpräses Msgr. Dr. Stefan Killermann

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017