Geistlicher Impuls

KOLPING-DIÖZESANWALLFAHRT 2018

Liebe Kolpingschwestern und -brüder!

„Auf dem Weg, dem weiten, endlos weiten, singend zieht das Volk des Herrn in Scharen hin“, heißt es in der deutschen Übersetzung eines Liedes des französischen Jesuitenpaters Aimé Duval (1918-1984), das mir aus meiner Jugendzeit noch immer im Gehör ist.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seiner dogmatischen Konstitution das alte Bild vom pilgernden Gottesvolk wieder aufgegriffen.

Zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes, so ist da zu lesen, schreitet die Kirche auf ihrem Pilgerweg dahin und verkündet … den Tod des Herrn, bis er wiederkommt (LG, 8).

Wie die Kirche als ganze unterwegs ist und nach dem Vorbild des Apostel Paulus mit dem Ziel vor Augen nach dem Siegespreis jagt, der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt (Phil 3, 14), so gehen im Besonderen auch wir im Kolpingwerk als „Weggemeinschaft der Generationen“ miteinander in die Zukunft.

Dabei sind wir nicht allein unterwegs auf unserer Pilgerfahrt, sondern wir legen unseren Weg als katholischer Sozialverband im Geist Adolph Kolpings zurück.

Wir leben „vom partnerschaftlichen Miteinander der Generationen“ und erfahren gemeinsames Handeln als Bereicherung (Leitbild, 38-40).

Dass wir als Pilger auf Gott hin unterwegs sind, kann uns bildhaft vor allem bei Prozessionen und Wallfahrten wie am heutigen Sonntag auf unserem Weg nach Dietfurt bewusst werden.

Nicht der Weg also, den wir zurücklegen, ist das Ziel; aber der Weg ist notwendig, um ans Ziel zu gelangen, und er wird leichter und schöner, wenn wir uns gegenseitig auf ihm begleiten über Höhen und Tiefen, auf ebenem Grund oder auf steilem Pfad.

Und wir alle haben ein Ziel. Nicht zufällig werden unsere Prozessionen angeführt durch ein Kreuz. Im Blick auf das Kreuz Christi gehen wir unseren Weg, weil wir wissen: Der Weg des Kreuzes ist der Weg, der ans Ziel führt.

Heilig Kreuz, sei unsre Fahne, heißt es in einem Lied. Heilges Kreuz, du Siegeszeichen, selig, wer auf dich vertraut; sicher wird sein Ziel erreichen, wer auf dich im Leben schaut.

Auch wir, liebe Schwestern und Brüder, dürfen auf unserem Pilgerweg das Kreuz des Herrn nicht aus den Augen verlieren.

Und deshalb ist es gut und sinnvoll, Kreuze aufzustellen und sie aufzuhängen in Häusern und auch in öffentlichen Gebäuden und sie auf diese Weise unter den Schutz des Gekreuzigten zu stellen, denn kein Menschen, ob er es glaubt oder nicht, wird durch etwas anderes gerettet werden als durch das Kreuz dessen, der uns erlöst hat.

Aus diesem Grund aber müssen wir auch ganz klar sagen, liebe Schwestern und Brüder: Das Kreuz ist nicht Zeichen für eine Kultur, für einen Volksstamm, für Brauchtum, Tradition und Folklore. Das Kreuz ist und bleibt Zeichen unseres Glaubens.

Mit Blick auf das Kreuz Christi bekennen wir uns zu unserer christlichen Religion.

Dieses Ziel vor Augen, gehen wir gemeinsam unseren Weg, jeder und jede von uns so lange, wie es Gott in seiner Vorsehung und seinem ewigen Rat bestimmt hat.

Und schließlich erinnert uns das Zweite Vatikanische Konzil daran, dass die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern und Schwestern, die im Frieden Christi entschlafen sind, keineswegs aufhört, weil diese, in die ewige Heimat aufgenommen, für uns Fürbitte einlegen (LG, 49).

Wir sind ihnen verbunden, wenn wir unsererseits für sie beten, auch heute auf unserer Wallfahrt, damit sie endgültig ihr Ziel erreichen in der Herrlichkeit Gottes.

In diesem Sinn bleiben wir ihnen nahe und erweisen ihnen unsere Dankbarkeit über den Tod hinaus.

Wir aber sollen wieder bewusster unseren Weg zurücklegen auf der Strecke des Lebens, die noch vor uns liegt in dieser Zeit.

Bitten wir dazu auch unseren seligen Gesellenvater Adolph Kolping, uns vom Himmel her Begleiter und Fürsprecher zu sein.

Jedem einzelnen von uns sagt er dabei: „Deiner Bestimmung gedenke, mein Christ, wer du auch immer sein magst. Halte deshalb ein wenig inne auf deinem breit getretenen Lebenswege.

Deiner Bestimmung gedenke, blicke vorwärts, wohin du strebst, schau zurück, woher du kommst, dich selber betrachte, was ist’s mit dir, was bist du, was sollst du, was willst du? …

 

 

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017