Geistlicher Impuls

Geistlicher Impuls

Die Corona-Epidemie hat uns und die ganze Welt in den letzten eineinhalb Jahren in Mitleidenschaft gezogen. Fieberhaft wurde geforscht und entwickelt, bis endlich Impfstoffe hergestellt, die uns davor schützen sollen. Impfstoffe gibt es auch gegen Pocken und Kinderlähmung und viele andere Krankheiten.

Damit der Computer nicht kaputt geht, gibt es ebenfalls entsprechende Maßnahmen: keine Impfungen, sondern Programme, die zerstörerische Viren bekämpfen und vernichten sollen.

Aber auch anderen gefährlichen Viren sind wir Menschen unser ganzes Leben lang ausgesetzt: dem Virus des Stolzes zum Beispiel, oder dem der Habsucht, des Geizes, des Eigensinns oder des Neids.

Überall schwirren irgendwelche Versuchungen um uns herum, die wir leicht aufschnappen und denen wir dann erliegen.

Nicht Menschen haben diese Viren in die Welt gesetzt und erst recht nicht Gott. Die Kirche lehrt uns, dass es gefallene Engel sind, die uns Menschen zum Bösen versuchen und zu Fall bringen wollen.

Aber es gibt auch Schutzprogramme und so etwas wie Impfstoffe gegen die Viren des Bösen.

Gott setzt solche Programme ein, er bietet sie uns an, damit wir in der Versuchung stark bleiben und geschützt sind an Leib und Seele.

In der Heiligen Schrift lesen wir: es gibt himmlische Mächte, die Gott sehr nahe stehen. Sie sind bereits am Anfang der Zeit von ihm geschaffen worden. Sie haben keinen Körper, sondern nur einen Geist.

Diese Wesen, die wir Engel nennen, stehen in engster Gemeinschaft mit Gott, sie sehen ihn von Angesicht zu Angesicht. Immer dann, wenn die Heilige Schrift uns einen Blick hineinwerfen lässt ins Reich Gottes, heißt es, dass Gott umgeben ist von einem himmlischen Hofstaat, von einer Schar wunderbarer Geschöpfe, die ihn anbeten und ihm zu Ehren ein Fest feiern, das niemals endet.

Zwar ist die erste Aufgabe der Engel, so sagt uns die Heilige Schrift, die Verherrlichung Gottes im Himmel.

Aber zugleich sind die Diener Gottes auch seine Boten.

Sie beschützen in seinem Auftrag die Welt und die Menschen, und sie wollen uns schützen und fernhalten vor den Viren, die unserem Leib und unserer Seele schaden und sie zerstören wollen.

Jesus selbst sagt einmal über die Kinder: Ihre Engel schauen allezeit das Angesicht Gottes. Daraus leitet die Kirche ab, dass jedem Menschen ein eigener Engel zugeteilt ist, der ihn begleiten, unterstützen und beschützen soll.

Heute, am 2. Oktober, ist der Tag, an dem in der Liturgie besonders der heiligen Schutzengel gedacht wird.

Dieser Tag kann auch uns wieder daran erinnern, dass wir alle so einen Schutzengel haben und dass wir alle in ihm einen persönlichen Beistand und Beschützer haben, der mit uns geht und für uns da ist unser ganzes Leben lang von der Geburt bis zum Tod.

Gerade im Todeskampf, wenn wir die letzte und endgültige Entscheidung für Gott oder gegen Gott treffen müssen, ist es wichtig, dass er uns beisteht und die Viren des Bösen abwehrt, die versuchen, uns noch schnell zum endgültigen Absturz zu bringen.

In unserer Hilflosigkeit, in unseren Schwächen und in allen Versuchungen sind wir nicht auf uns selbst gestellt. Gott hat jedem von uns einen ganz persönlichen Shutzgeist zugeordnet.

Aber wir müssen uns um diesen Schutz auch bemühen und ihn in Anspruch nehmen, wenn er uns helfen soll.

Wir müssen auf das Programm, das Gott für uns bereithält, auch wirklich zurückgreifen und es aktivieren. Wir müssen uns der Schutzimpfung auch wirklich unterziehen.

Wir müssen auf die Stimme des Engels, der uns begleitet, hören, der uns gute Gedanken eingeben möchte, auch im Kolpingwerk, auch heute bei unserer Diözesanversammlung.

Und wir dürfen ihm unsere Sorgen anvertrauen mit der Bitte, sie vor Gott zu tragen und uns Gottes Schutz immer wieder neu zu überbringen.

Ob wir diesen Schutz erfahren oder nicht, ob wir ihn anrufen oder nicht, hängt von uns selber ab.

Adolph Kolping erinnert uns daran, dass bei der Geburt des Herrn „Engelscharen mit dem ewigen Lobpreise Gottes auch den Menschen auf Erden den Frieden verkündigt haben, allerdings nur solchen, die guten Willens sind“. Und er fügt hinzu: „Die Engel haben nichts Unwahres verkündet, und an Gott dem Herrn, der einst seinen Sohn in die arme Krippe zu Bethlehem legte, liegt nicht die Schuld, daß es so aussieht in der Welt, wie es eben aussieht. Die Schuld fällt einzig und allein auf die Menschen, die nicht guten Willens sind …“ (RV 1861, S. 808 f.).

Lasset uns beten.

Herr Jesus Christus,

deine Botschaft zu verkünden und sie in die Tat umzusetzen,

ist dein Auftrag an die Kirche.

Wir danken dir für dein Vertrauen, das du in die Menschen gesetzt hast.

Wir danken dir für den seligen Adolph Kolping, der uns in dieser Aufgabe zum Vorbild wurde.

Gib uns die Gaben, durch die er sein Werk prägte: Stärke unseren Glauben, damit wir der Welt und ihren Forderungen nicht ausweichen.

Wecke in uns die Hoffnung, dass wir Freude verbreiten, wo wir uns um Menschen bemühen.

Festige die Liebe, dass wir verantwortungsvoll mitarbeiten an der Entwicklung der Kirche und einer menschlichen Gesellschaft.

Herr Jesus Christus, segne Du uns und halte Deine gute Hand über uns,
damit alles, was wir heute planen und tun,
Deinem Willen entspricht und Dir zur Ehre gereicht.

Segne unser Zusammensein, unsere Beratungen und Besprechungen.

Lass uns erkennen, was recht ist und gut.

Erfülle uns mit der Kraft Deines Heiligen Geistes.

Sende uns deine heiligen Engel zu Hilfe,

dass sie uns behüten auf allen unseren Wegen,

und gib uns in der Gemeinschaft mit ihnen

deine ewige Freude.

Darum bitten wir Dich auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria, des heiligen Josef, des seligen Adolph Kolping und aller Heiligen,

der du mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist für uns da bist

heute und alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit. Amen.

Diözesanpräses Msgr. Dr. Stefan Killermann

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017