Geistlicher Impuls

Geistlicher Impuls

PETER UND PAUL

Wir stehen am Vorabend eines Festes, an dem zwei heilige Apostel gemeinsam gefeiert werden: Petrus und Paulus; zwei Apostel, die zur gleichen Zeit gelebt haben und gestorben sind, und die doch so verschieden voneinander waren. Ganze Bücher könnte man wohl schreiben über die Unterschiede zwischen ihnen.

Petrus war ein einfacher Fischer aus Galiläa, Paulus ein gebildeter römischer Bürger.

Petrus gehörte zu den ersten, die der Herr in den Kreis der Apostel berufen hat und die ihn drei Jahre lang begleiten sollten. Paulus hat Jesus nie von Angesicht zu Angesicht gesehen.

Petrus verkündete das Evangelium zunächst nur in Jerusalem. Paulus wurde schon bald zum Völkerapostel.

15 oder 20 Jahre nach dem Tod Jesu treffen beide aufeinander.

Und gleich kommt es zum Streit in einer sehr wichtigen Frage: Muss ein Heide, der getauft werden will, vorher Jude sein? Sind die Jünger Jesu eine Untergruppe des jüdischen Glaubens oder etwas ganz Neues? Müssen sie also alle Gesetze beachten, die den Juden auferlegt sind?

Petrus sagte Ja, Paulus Nein.

Ich habe Petrus dabei ins Angesicht widerstanden, schreibt Paulus später an die Galater.

Und er bekam im Großen und Ganzen Recht mit dem, was er sagt: Wer an Christus glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen.

Trotz aller Verschiedenheit werden Petrus und Paulus sich am Ende einig. Trotz aller Verschiedenheit sind sie beide begeistert von Christus und seiner Botschaft. Und trotz aller Verschiedenheit treffen sie am Ende des Lebens wieder aufeinander und sterben in Rom beide für Christus.

Dass Paulus in Rom war, bezeugen die Apostelgeschichte und die frühesten christlichen Schriften. Dass Petrus dort den Märtyrertod erlitt, ist älteste Überlieferung der Kirche.

Es ist deshalb auch kein Zufall, dass wir beide am selben Tag mit einem einzigen Fest feiern: Petrus, den Fels, auf dem der Herr seine Kirche errichtet hat, und Paulus, der zum Licht für die Heiden wurde, zum Apostel der Völker.

Anlässlich seines Besuches am Grab des heiligen Apostels Paulus in Rom schrieb der selige Adolph Kolping damals: „Hier an dieser Stelle haben ebenso wie an St. Peters Grab im Vatikan gleichsam die Völker des katholischen Erdkreises gebetet und ihre Opfergaben niedergelegt. Denn wer nach Rom zum heiligen Petrus ging, konnte unmöglich den heiligen Paulus unbesucht lassen“.

Der Gesellenvater war sich sicher auch bewusst:

Beide, Petrus und Paulus, machten Fehler und sündigten: Petrus, weil er den Herrn dreimal verleugnete, und Paulus, der ihn bekämpft hatte.

Beide aber durften die Barmherzigkeit des Herrn erfahren, beide setzten ihr ganzes Leben dann für ihn ein bis zum Tod, und beide wurden zu Grundfesten unseres Glaubens.

Auf verschiedene Weise, so heißt es deshalb in der Präfation dieses Tages, dienten beide Apostel der einen Kirche, und gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens.

Was heißt das nun für uns?

Ich glaube, Folgendes sollten wir bedenken:

Zunächst: Bei aller Verschiedenheit, die auch zwischen uns allen besteht – jeder Mensch ist doch wieder ganz anders – ist uns allen eine Aufgabe und ein Ziel gestellt: Wir müssen glauben an Jesus Christus und ihn durch unser Leben bezeugen, jeder auf seine Weise, auf seine persönliche Art, an seiner Stelle in dieser Welt. Wir alle sind berufen, heilig zu werden.

Zweitens: Wenn wir einmal unterschiedlicher Meinung sind, dürfen wir das ruhig sagen und für unsere Überzeugung kämpfen. Und trotzdem gilt es zusammenzuhalten, eine gemeinsame Lösung zu finden, und einander gut zu sein.

Und drittens: Wie Petrus und Paulus müssen auch wir immer bereit sein, im Vertrauen auf den Herrn und seine Barmherzigkeit umzukehren, wenn wir auf falsche Wege geraten sind. Denn er ist gnädig und reich an Güte.

Bitten wir darum auf die Fürsprache der zwei heiligen Apostelfürsten immer wieder um seinen Beistand, den Heiligen Geist, damit wir am Ende wie sie für immer hinfinden zum Herrn und teilhaben dürfen am ewigen Glück.

Und in einem neuen Lied zu Petrus und Paulus ist das, glaube ich, sehr schön ausgedrückt und zusammengefasst, nämlich so:

Fels der Kirche, Licht der Heiden, Boten dessen, der verzeiht: würdig, für den Herrn zu leiden, Säulen für die Christenheit: helft, dass wir die Einheit wahren, dass wir Gottes Geist erfahren, dass wir unser Kreuz bestehn und den Himmel offen sehn.


Msgr. Dr. Stefan Killermann
Diözesanpräses

Friedensgebet

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Guter Gott, gewaltlos aber nicht ohnmächtig suchen wir nach Frieden. Du selbst lädst uns ein, den Frieden anzunehmen, den Du uns angeboten hast. Lass uns zu Menschen werden, die Vorurteile aus dem Weg räumen, die bereit sind, die Fehler einzugestehen und Andersdenkende verstehen zu wollen.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Der Unfriede in dieser Welt beginnt in uns, in unserem Herzen, in unserem Denken. Hilf uns, das Geschenk des Friedens zu entdecken. Stärke auch durch uns die Menschen, die sich für den Frieden einsetzen. Gib uns Kraft und Geduld für den Umgang mit Unrecht. Schenke uns Deinen Geist, den Geist der Weite und der Liebe, den Geist, der uns zum Frieden anleitet.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ V: Dein Friede verlangt von uns mehr, als dass wir nichts gegeneinander haben. Er ist nicht tatenloses Zusehen wie sich Unrecht vermehrt. Du willst nicht, dass wir uns vor dem Bösen ducken, Friedfertigkeit mit Gleichgültigkeit verwechseln. Friede wird, wenn wir uns einsetzen für das Gute, wenn wir deine Gegenwart in dieser Welt leben, wenn wir handeln aus deiner Liebe.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ Amen.

V: Bleibe mit uns auf dem Weg des Friedens.

A: Amen.

Gebet: Weihbischof Josef Holtkotte (ehem. Bundespräses), Kolpingwerk Deutschland, Köln, 2018 Zitat: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ nach Adolph Kolping 

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017