Geistlicher Impuls

KOLPING-DIÖZESANVERSAMMLUNG 2017

Liebe Kolpingschwestern und –brüder!

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen“, sagte Jesus zu seinen Jüngern.

Diese Jünger, die von ihm zu Menschenfischern gemacht wurden, „woben“ daraufhin, so erklärt es der hl. Hieronymus, „das Netz der Glaubenslehren aus dem Alten und dem Neuen Testament und warfen es in das Meer dieser Welt. Bis heute ist es in den Fluten ausgespannt und fängt in den salzigen und bitteren Wogen allerlei, was hineingefallen ist“, Menschen aller Art.

Ist das nicht auch unsere Aufgabe als Schwestern und Brüder im Werk Adolph Kolpings?

In den oft salzigen und bitteren Wogen der Welt als verbindende Gemeinschaft ein Netz auszuwerfen, das trägt, generationenübergreifend Menschen zu versammeln, die sich gegenseitig als Partner für ihre Arbeit gewinnen, jungen Menschen Orientierung zu verschaffen und ihnen in der Tradition Adolph Kolpings die Möglichkeit zu geben, Glauben und Gemeinschaft zu erleben?

Ja, Fische aller Art und Christen aller Konfessionen finden bei uns eine religiöse Heimat. Wir spannen ein weltweites Netz der Partnerschaft und berücksichtigen dabei die Bedürfnisse der schwächsten Glieder der Gesellschaft ebenso wie den Nutzen aller vor der Befriedigung von Einzelinteressen.

Adolph Kolping legt uns ja ausdrücklich ans Herz, dass für uns Christen nicht bloß der Himmel Heimat ist, sondern auch die Erde, wo Christen beisammen sind (KS 7, S. 36). „Weil der Herr auferstanden ist“, sagt er einmal, „ist das Christentum unsterblich, unüberwindlich, wahrhaft das Reich Gottes auf Erden“ (KS 3, S. 226).

Für dieses Reich Gottes zu arbeiten, an seiner Ausbreitung mitzuwirken, im Geist Adolph Kolpings die Zeichen der Zeit zu erkennen und verantwortlich zu handeln als Christen mit Kopf, Herz und Hand, das ist unsere Aufgabe.

Um darin wieder einen Schritt weiter zu kommen, um neue Impulse dafür zu erhalten, um uns gegenseitig dabei zu stärken und zu ermutigen, treffen wir uns zu unserer Diözesanversammlung und wählen die, die die Sache in die Hand nehmen müssen.

Wir alle aber sollen mithelfen beim Auswerfen des Netzes und es so weit ins Meer hinauswerfen, dass wir sogar die Menschen erreichen, die der Kirche fernstehen.

Liebe Schwestern und Brüder, als das Netz voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

Das Ufer bezeichnet das Ende der Zeit, sagt Gregor der Große einmal. Und am Ende der Zeit werden die Engel kommen und die Bösen von den Gerechten trennen.

Das steht nicht uns zu. Denn als Kolpingschwestern und –brüder haben wir auch selber alle unsere guten und unsere schlechten Seiten.

Und doch dürfen auch wir auf unserer Diözesanversammlung gute und schlechte Fische voneinander trennen und müssen es sogar, wenn wir darunter jetzt nicht Menschen verstehen, sondern Gedanken, Absichten und Ideen.

Auch dazu sind wir zusammengekommen, dass wir unterscheiden zwischen dem, was gut ist für uns und unseren Auftrag in den kommenden Monaten, und dem, was schlecht ist, zwischen dem, was uns weiterbringt, und dem, was wenig Sinn hat oder sogar Schaden anrichtet.

Gäbe es Wünsche oder Vorschläge bei uns, die dem Auftrag Jesu Christi und dem Geist Adolph Kolpings widersprechen, dürften und müssten schon wir, die wir hier als Christen auf der Erde beisammen sind, wie die Engel solche Vorstellungen in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt.

Und noch ein Satz aus dem heutigen Evangelium ist bedenkenswert für uns heute, meine ich.

Da sagte der Herr zu seinen Jüngern: Jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.

Liebe Kolpingschwestern- und brüder, wir wollen uns zwar nicht mit den Schriftgelehrten des alten Israel vergleichen und auch nicht mit dem hl. Hieronymus, aber als Mitglieder des Kolpingwerkes wollen wir doch alle auch Jünger des Himmelreichs sein.

Dann können und sollen aber auch wir Menschen sein, die aus unserem reichen Vorrat, aus unserer Erfahrung, aus unseren Talenten und Fähigkeiten, aus den Möglichkeiten, die wir haben, Neues und Altes hervorholen.

Auch das muss unseren Verband prägen – und auch unser Zusammensein heute. Wir sind in der Kirche zu Hause, wir handeln als Jünger Christi, und wir wissen uns dem Geist Adolph Kolpings und der Tradition seines Werkes verpflichtet und müssen deshalb immer wieder Altes hervorholen.

Aber wir stellen uns ebenso den Herausforderungen der Gegenwart und suchen nach neuen Wegen, um unserem Auftrag gerecht zu werden.

Wir sollen Bewährtes nicht aufgeben, denn: „Bald ist Altes eingerissen, schwer tüchtig Neues gebaut“, schreibt unser seliger Gesellenvater einmal (KS 7, S. 65).

Aber er mahnt uns ebenso, uns immer wieder neu auszurichten und unser Tun zu überprüfen, wenn er sagt: „Die Nöte der Zeit werden euch lehren, was zu tun ist“.

Holen auch wir darum bei unseren Beratungen und Beschlüssen Neues und Altes aus unserem reichen Vorrat hervor und halten wir uns dabei an das Wort Adolph Kolpings:

„Wer nichts Besseres an die Stelle setzen kann, lässt sicher das Alte stehen. Aber töricht wäre es, das schlechtere Alte erhalten zu wollen, wenn man das Bessere haben kann“ (KS 2, S. 514).

Bitten wir also in dieser heiligen Messe um seine Fürsprache beim Auswerfen unseres Netzes, beim Auslesen der Fische und beim Hervorholen von Neuem und Altem. Amen.

Diözesanpräses Msgr. Dr. Stefan Killermann

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017