Geistlicher Impuls

Geistlicher Impuls

In südlicheren Ländern kann man noch manchmal die alten Fliegenfänger sehen, die es früher auch bei uns oft gegeben hat: klebrige lange Zelluloidstreifen, die aufgehängt wurden in Wohnungen, Gasthäusern, Geschäften und Ställen. An den Lampen oder an der Decke wurden sie befestigt. Sie hingen in den Raum herunter, um lästige Fliegen einzufangen und anzukleben. Trotz aller Bemühungen konnten Fliegen, die daran anpappten, sich nicht mehr vom klebrigen Band befreien. Und am Ende, wenn der Fliegenfänger schwarz war von Fliegen, nahm man herunter und warf ihn ins Feuer.

Nicht nur die Fliegen aber sind es, die immer wieder solchen Fängern auf den Leim gehen. Auch wir Menschen verhalten uns oft ähnlich. Auch wir hängen an Dingen, die uns umgeben und gefangen nehmen und am Ende nicht mehr loslassen. Es gibt Menschen, die hängen an ihrem Haus und ihrem Garten. Andere hängen an ihrem Auto, am Fernseher oder am Computer. Wieder andere hängen an ihrem Hobby, an ihrem Bankkonto oder an ihren Aktien. Wahrscheinlich hat jeder von uns irgendeine Lieblingsbeschäftigung, etwas, was ihm wichtig ist und wofür er immer Geld hat und Zeit.

Wenn da jemand ist, der weiß, wie er uns fangen kann, hat er bei den meisten von uns ein leichtes Spiel. Oft wird es uns selber gar nicht bewusst, wo unsere Schwächen liegen. Und dann kann es passieren, dass jemand sie bewusst ausnützt und am Ende alles von uns bekommt, was er erreichen möchte.

Wir stehen am Beginn der Fastenzeit. Und da werden uns immer am ersten Fastensonntag die drei Versuchungen Jesu durch den Teufel vor Augen gestellt: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Alle Macht will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Stürz dich hinab, und die Engel werden dich auf ihren Händen tragen.

Jesus weist diese drei Versuchungen mit klaren Worten zurück, die er auch uns in unseren Versuchungen mit auf den Weg gibt: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Vor dem Herrn allein sollst di dich niederwerfen und ihn anbeten. Du sollst den Herrn nicht auf die Probe stellen.

Jesus weiß: Der Versucher kennt auch unsere Schwächen und weiß sehr gut, wie und wo er jeden von uns am besten zu Fall bringen kann. Er fesselt unsere Aufmerksamkeit an Dinge, die uns gut und schön erscheinen, doch die uns auf diese Weise abhalten vom Wesentlichen, von dem, was nicht vergeht und was Bestand hat über diese Zeit hinaus.

Jesus dagegen will nicht, dass wir uns fangen lassen von dem, was uns diese Welt anbietet. Er will nicht, dass wir unsere Freiheit einbüßen und das Wesentliche nicht mehr wahrnehmen können. Er will, dass wir zur echten Fülle des Lebens gelangen, die diese Welt uns aber nicht geben kann und die keiner erreicht, wenn er an den Dingen kleben bleibt, die dieses Leben ihm bietet.

Jetzt in der Fastenzeit sollen wir das wieder neu bedenken und uns bewusst machen: Wir leben nicht vom Brot allein. Es gibt etwas, was wichtiger ist als alle Güter dieser Welt. Wir dürfen unser Herz nicht so sehr an das Gute und Schöne in der Welt hängen, dass wir das Gute und Schöne, das ewig ist, dadurch vergessen. Wir dürfen nicht an Dingen kleben bleiben, die uns an sich binden wie die Fliegen, die am Ende mit dem Fliegenfänger ins Feuer geworfen werden.

Wir müssen das, was uns die Welt an Schönem bietet, so gebrauchen, dass wir unsere Freiheit dadurch nicht einbüßen. Jetzt können wir es uns wieder beweisen, ob wir noch die Freiheit haben, nein zu sagen zu Dingen, die uns wichtig sind, von denen unser Leben aber nicht abhängt. Jedes Opfer, das wir bringen, jeder Verzicht den wir leisten, ist nicht umsonst.

Und wir dürfen sicher sein, dass auch für uns dann gilt: Jeder, der um Jesu willen und um des Evangeliums willen etwas verlassen hat und auf etwas verzichtet hat, wird das Hundertfache dafür empfangen, jetzt in dieser Zeit, und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Auch in dieser Zeit also wird es für uns schon von Vorteil sein, wenn wir über den Dingen stehen und frei sind wie Fliegen, die nicht angeklebt sind.

Der Teufel, der Jesus in die Wüste führte, wollte ihn durch drei Versuchungen an den Fliegenfänger binden. Er wollte ihm weismachen, dass die Bedürfnisse, die Mensch hat, erfüllt werden können mit Essen und Trinken, mit Geld und Besitz, mit Ansehen und Macht.

Diese drei Versuchungen sind auch heute noch die Versuchungen der Menschen.

Versuchen wir also wieder, uns aus den klebrigen Fesseln dieser Welt zu lösen und bei allem, was diese Welt und dieses Leben uns an Gutem und Schönen bietet, das Beste und Schönste nicht zu vergessen:

Dass Gott, der uns ins Leben gerufen hat und uns liebt, uns zur Fülle des Lebens führen will und seine Liebe für jeden von uns bereithält.

Diesem Auftrag wissen wir uns auch als Kolping-Bildungswerk und Kolping-Erwachsenenbildungswerk verpflichtet. Nicht dass Genuss, Besitz, Ansehen und Macht Ziel und Zweck dieses Lebens sind, sondern dass wir uns zu Jesus Christus und seiner frohen Botschaft bekennen und deswegen auch solidarisches Handeln fördern zum Nutzen für die ganze Gesellschaft.

Bedenken wir auch, was der selige Adolph Kolping uns einmal sagt: „Wählt keine Leute, die allzu abhängig sind von Amt und Brot, damit sie nicht unnützerweise in Versuchung geraten, anders zu denken und anders zu handeln oder gar sich um des lieben Brotes willen von der Ausübung ihrer Pflichten dispensieren“ (RV 1858, S. 706 f.).

Msgr. Dr. Stefan Killermann
Diözesanpräses

Friedensgebet

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Guter Gott, gewaltlos aber nicht ohnmächtig suchen wir nach Frieden. Du selbst lädst uns ein, den Frieden anzunehmen, den Du uns angeboten hast. Lass uns zu Menschen werden, die Vorurteile aus dem Weg räumen, die bereit sind, die Fehler einzugestehen und Andersdenkende verstehen zu wollen.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“

V: Der Unfriede in dieser Welt beginnt in uns, in unserem Herzen, in unserem Denken. Hilf uns, das Geschenk des Friedens zu entdecken. Stärke auch durch uns die Menschen, die sich für den Frieden einsetzen. Gib uns Kraft und Geduld für den Umgang mit Unrecht. Schenke uns Deinen Geist, den Geist der Weite und der Liebe, den Geist, der uns zum Frieden anleitet.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ V: Dein Friede verlangt von uns mehr, als dass wir nichts gegeneinander haben. Er ist nicht tatenloses Zusehen wie sich Unrecht vermehrt. Du willst nicht, dass wir uns vor dem Bösen ducken, Friedfertigkeit mit Gleichgültigkeit verwechseln. Friede wird, wenn wir uns einsetzen für das Gute, wenn wir deine Gegenwart in dieser Welt leben, wenn wir handeln aus deiner Liebe.

A: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ Amen.

V: Bleibe mit uns auf dem Weg des Friedens.

A: Amen.

Gebet: Weihbischof Josef Holtkotte (ehem. Bundespräses), Kolpingwerk Deutschland, Köln, 2018 Zitat: „…ohne Gott kein Friede und kein Glück!“ nach Adolph Kolping 

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017