Geistlicher Impuls

PREDIGT ZUM KOLPING-GEDENKTAG

Liebe Brüder und Schwestern !

Die Adventszeit, in der wir stehen, ist für viele von uns eine anstrengende Zeit geworden. Es gibt viel zu tun in diesen Wochen. Je näher das Weihnachtsfest kommt, desto mehr sind wir in Anspruch genommen. Einkäufe werden erledigt, Geschenke besorgt, Briefe und Karten an Freunde und Bekannte verschickt.

Manch einer stöhnt unter den vielen Vorbereitungen, die noch zu treffen sind. Nicht wenige von uns spüren: Geschäft und Brauchtum, das mit dem eigentlichen Sinn dieser Wochen wenig zu tun hat, drängen sich immer mehr in den Vordergrund. Das Eigentliche aber geht uns verloren. Immer mehr also werden wir vom wahren Sinn dieses Festes abgelenkt. Aber bei sechs verkaufsoffenen Werktagen in der Woche brauchen wir keine vier verkaufsoffenen Sonntage im Advent. Wir brauchen nicht noch mehr Zeit für die Geschäfte, sondern mehr Zeit für Gott. Wir brauchen nicht noch mehr Zeit für Einkäufe, sondern mehr Zeit für unseren Glauben.

Die Vorweihnachtszeit ist eine stimmungsvolle Zeit in unserer Heimat. Aber Lebkuchen und Plätzchen, teure Geschenke und Lieder vom Band dürfen uns nicht vergessen lassen, dass das Fest, auf das wir uns zubewegen mehr von uns verlangt als Erledigungen zu machen und gemütlich zu feiern. Weihnachten ist nicht das Fest des Weihnachtsgeschäftes und auch nicht das Fest des Weihnachtsmannes. Weihnachten hat nur dann einen Sinn, wenn Gott wieder lebendig wird in mir.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist Zeit, Gott wieder den ersten Platz zu geben in unserem Leben. Es ist Zeit, uns wieder neu bewusst werden: ohne Gott ist alles verloren; mit Gott aber ist alles gewonnen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Ich kann mich noch so anstrengen in diesen Tagen und mein Haus schmücken mit Lichtern und Sternen. Aber mein Leben bleibt dunkel und ohne Hoffnung, wenn nicht Christus zum Licht meines Lebens wird, der die finstere Nacht hell macht und mir auf dem Weg meines Lebens leuchtet.

So wie wir uns vorbereiten auf das Kommen eines Gastes, so müssen wir uns auch bereit machen für das Kommen unseres Herrn. Wir müssen dem den Weg bereiten, der selber für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Er ist der einzige Weg in dieser Welt, der in keiner Sackgasse endet. Er ist der einzige Weg, auf dem wir ans Ziel gelangen. Sein Licht muss in uns und durch uns den Menschen aufstrahlen für die Menschen, die den Weg noch nicht gefunden haben, der sie ans Ziel führt.

Wir gedenken heute, am Vorabend seines Festes, ganz besonders des seligen Adolph Kolpings, unseres Gesellenvaters. Adolph Kolping war einer, der dem Herrn der Weg bereitet hat, einer, der erkannt hat, wo seine Hilfe gebraucht wurde und wo er Menschen etwas spüren lassen konnte von der Liebe Gottes.

„Froh und glücklich machen“, so hat er einmal gesagt, „trösten und erfreuen ist im Grunde doch das Glücklichste und Beste, was der Mensch auf dieser Erde ausrichten kann“.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin überzeugt, dass es Kolping auch in unseren Tagen noch gelingt, viele Menschen froher und glücklicher zu machen, zu trösten und zu erfreuen, ihnen Orientierung und Lebenshilfe zu geben, und ihnen so den Weg zu ebnen, auf dem sie dem Herrn näher kommen können.

Jeder, der anderen hilft und sie froh macht und glücklich, jeder, der verantwortlich lebt und solidarisch handelt, jeder, der wie Adolph Kolping dadurch andere Menschen näher hinführt zu Gott und sie etwas spüren lässt von der Liebe, mit der Gott uns geliebt hat, der wird wie er zu einem Wegbereiter des Herrn.

Wenn wir der selige Adolph Kolping Boten Gottes werden, Boten der Freude, Boten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe,dann wird die Herrlichkeit des Herrn auch in unserer Zeit offenbar werden, und dann wird Weihnachten nicht spurlos an uns und an unserer Umgebung vorübergehen.

Unser Gesellenvater selbst sagt das so: „Nehmen wir uns denn, den Weisungen unserer heiligen Mutter, der katholischen Kirche folgend, in diesen Tagen zu noch größerem Ernste zusammen, auf dass auch an uns wahr werde, was sie mit den Worten des heiligen Johannes verheißt: „Und alles Fleisch wird das Heil Gottes schauen“ (KS 9, S. 263). Amen.

 

Gebet für EINE/SEINE Welt

Glaubende Menschen sollten überlegen, wie sie eine beständige
Bewegung für Entwicklung und Menschenrechte in der
Welt bilden können. Dies ist gewiss dringlicher als manches
andere. Hier geht es um Fragen der Gerechtigkeit, der Ethik
und der Freiheit. Dazu brauchen wir unsere eigenen Wurzeln
im Glauben, Kommunikation in unserer Gesellschaft und die
Bereitschaft, den Reichtum der Verschiedenheit zu entdecken.


Mein Gebet für EINE / SEINE Welt ist ein Gebet für das Miteinander
unterschiedlicher Menschen und Religionen in unserer
Gesellschaft, und damit ein Gebet für den Frieden.


Es stärkt die eigene (Glaubens-)Überzeugung und nimmt jeden
Menschen in Schutz gegen Machtbesessenheit, Fundamentalismus,
Fanatismus, Terrorismus und Rassismus.


Das Gebet drückt das Suchen und Finden des EINEN Gottes
und unsere gemeinsame Verantwortung für SEINE Welt aus.
Der Glaube an Gottes Gerechtigkeit, an seine Güte und Barmherzigkeit
verbindet glaubende Menschen. Dieses Gebet möge
das friedliche Miteinander aller Menschen stärken.


Gebet und Gedanken: Bundespräses Josef Holtkotte, Kolpingwerk Deutschland,
Köln, 2017